4future Kommunikation und Veranstalltungen
Ein GesprÀch ist keine Veranstaltung
Wer eine digitale Arbeitsumgebung aufbaut, landet frĂŒher oder spĂ€ter bei einer scheinbar einfachen Frage: Welche Videokonferenzlösung verwenden wir?
Microsoft Teams? Zoom? Webex? Jitsi? Nextcloud Talk? BigBlueButton?
Wir haben festgestellt, dass schon die Frage falsch gestellt ist.
Denn wir brauchen nicht einfach âVideokonferenzenâ. Wir haben unterschiedliche Formen digitaler Kommunikation â und diese stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an die Technik.
Deshalb setzen wir bei 4future nicht auf ein einziges Werkzeug, das irgendwie alles können soll. Wir verwenden unterschiedliche Open-Source-Technologien fĂŒr unterschiedliche Aufgaben â integrieren sie fĂŒr unsere Benutzer aber zu einer gemeinsamen Plattform.
Ein GesprÀch ist keine Veranstaltung
Die wichtigste Unterscheidung ist fĂŒr uns jene zwischen laufender Kommunikation und einer Veranstaltung.
Wenn zwei Menschen miteinander chatten und irgendwann einer schreibt âReden wir kurz?â, soll daraus mit möglichst wenig Aufwand ein Audio- oder VideogesprĂ€ch werden. Das GesprĂ€ch entsteht aus der Kommunikation heraus.
Bei einer Veranstaltung ist das anders.
Ein 4future Event (z.B. Clubabend) hat einen Beginn, ein Thema, Gastgeber und Teilnehmer. Bei einem Vortrag gibt es Vortragende und Publikum. Ein Workshop benötigt vielleicht Arbeitsgruppen. Bei einem Seminar oder Workshop kommen PrÀsentationen, Whiteboard, Umfragen und Aufzeichnungen dazu.
Technisch handelt es sich in allen FĂ€llen um Menschen, die ĂŒber das Internet miteinander sprechen und einander sehen.
Organisatorisch sind es vollkommen unterschiedliche Dinge.
Diese Unterscheidung bestimmt unsere Architektur.
4future Kommunikation: Matrix und Element
fĂŒr die tĂ€gliche Kommunikation (4future Chat)
FĂŒr unsere laufende Kommunikation verwenden wir Matrix mit Element als Client.
Matrix ist ein offenes Kommunikationsprotokoll. Unsere Matrix-Infrastruktur betreiben wir selbst. Element bietet darauf eine moderne Umgebung fĂŒr persönliche Nachrichten, Gruppen- und ProjektrĂ€ume sowie Audio- und Videokommunikation.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Videokonferenzfunktion alleine. Ein GesprÀch hat einen Kontext.
Ein Team diskutiert bereits seit Tagen in einem Raum. Zwei Personen schreiben miteinander. In einem Projektkanal taucht eine Frage auf, die sich schriftlich nur mĂŒhsam klĂ€ren lĂ€sst.
Dann wird aus dem Chat unmittelbar ein GesprÀch.
Genau dafĂŒr ist Matrix/Element bei uns gedacht.
Wir sind gerade dabei sogenannte Bridges (BrĂŒcken) zu den gĂ€ngigsten Messenger Plattformen einzurichten. WhatsApp und Signal laufen bereits, an Telegram wird gerade gearbeitet. Damit kann man einen Messenger verwenden um ĂŒber unterschiedlichste Plattformen erreichbar zu sein.
4future Chat ist unsere Plattform fĂŒr Kommunikation.
Warum wir Nextcloud Talk nicht verwenden
Nextcloud ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer Infrastruktur. Wir verwenden es fĂŒr Dateien, Sharing und gemeinsames Arbeiten an Dokumenten.
Nextcloud bietet mit Talk auch eine eigene Kommunikations- und Videokonferenzlösung an. Es ist eine proprietĂ€re Lösung innerhalb von Nextcloud – die nur mit anderen Usern auf Nextcloud kommunizieren kann.
Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, damit eine zweite Kommunikationswelt aufzubauen.
Denn dann stellt sich plötzlich die Frage: Schreibe ich einer Kollegin in Element oder in Nextcloud? Wo finde ich die Unterhaltung von gestern? Wo starte ich einen spontanen Anruf?
Mehr Funktionen bedeuten nicht automatisch ein besseres System.
Deshalb ist die Aufgabenteilung bei uns klar:
Kommunikation findet in Matrix/Element statt.
Dateien und dateibasierte Zusammenarbeit an Inhalten finden in 4future Drive (Nextcloud) und 4future Docs (OnlyOffice) statt.
Und warum nicht Jitsi?
NatĂŒrlich haben wir uns auch Jitsi Meet angesehen.
Jitsi ist Open Source, kann selbst betrieben werden und eignet sich gut fĂŒr klassische Videokonferenzen. Ein Link genĂŒgt und Teilnehmer können direkt ĂŒber den Browser miteinander sprechen.
Bei unserer Architektur ergaben sich allerdings zwei Fragen.
Erstens ĂŒberschneidet sich der Anwendungsfall stark mit dem, was wir ohnehin mit Matrix und Element abdecken.
Jitsi löst primĂ€r das Problem: Wir wollen jetzt eine Videokonferenz durchfĂŒhren.
Matrix/Element löst fĂŒr uns das umfassendere Problem: Wir wollen miteinander kommunizieren â und manchmal wird aus dieser Kommunikation ein Audio- oder VideogesprĂ€ch.
Ein zusĂ€tzliches Jitsi hĂ€tte damit einen weiteren Kommunikationskanal geschaffen, ohne fĂŒr uns einen zusĂ€tzlichen Nutzen zu bringen. Zweitens wird Jitsi technisch deutlich komplexer, sobald man eine gröĂere Installation nicht einfach auf einem einzelnen Server betreiben möchte.
Ein produktiver Jitsi-Dienst besteht aus mehreren Komponenten. Sobald mehrere Videobridges, Skalierung, HochverfĂŒgbarkeit und eine saubere Verteilung ĂŒber mehrere Systeme ins Spiel kommen, wird aus dem zunĂ€chst sehr einfach wirkenden Jitsi-Server eine durchaus anspruchsvolle verteilte Architektur.
Das ist lösbar. Aber InfrastrukturkomplexitÀt muss einen Nutzen haben.
FĂŒr einen Anwendungsfall, den Matrix/Element bei uns ohnehin abdeckt, wollten wir keine zweite komplexe Echtzeit-Kommunikationsplattform betreiben. Daher haben wir uns gegen Jitsi entschieden.
4future Veranstaltungen: BigBlueButton fĂŒr Veranstaltungen (4future Chat)
Bei Veranstaltungen sieht die Sache anders aus.
DafĂŒr verwenden wir BigBlueButton.
BigBlueButton ist ebenfalls Open Source und kann vollstĂ€ndig auf eigener Infrastruktur betrieben werden. Es wurde allerdings nicht primĂ€r als allgemeines Videokonferenzsystem entwickelt, sondern fĂŒr virtuelle Klassenzimmer und strukturierte Online-Veranstaltungen.
Und genau das merkt man am Funktionsumfang.
PrÀsentationen, Moderationsrollen, Wortmeldungen, Umfragen, gemeinsames Whiteboard, öffentliche und private Chats, Shared Notes, Breakout-RÀume und Aufzeichnungen gehören zum Konzept der Plattform.
FĂŒr uns bedeutet das:
BigBlueButton ist unsere Plattform fĂŒr Veranstaltungen.
Das können Seminare und Workshops sein. Aber genauso VortrÀge, Diskussionsveranstaltungen oder unsere Clubabende.
Nicht jede Veranstaltung benötigt alle Funktionen. Bei einem Clubabend brauchen wir vielleicht keine Breakout-RÀume und kein Whiteboard.
Aber das zugrunde liegende Modell passt: Es gibt eine Veranstaltung, Gastgeber beziehungsweise Moderatoren und einen definierten Teilnehmerkreis.
Damit unterscheidet sich der Anwendungsfall grundsÀtzlich von einem spontanen GesprÀch in Element.
Greenlight ist nicht das Ende der Integration
Als VerwaltungsoberflĂ€che fĂŒr BigBlueButton verwenden wir derzeit Greenlight. BigBlueButton kommt nĂ€mlich ohne VerwaltungsoberflĂ€che.
Greenlight ermöglicht unter anderem das Anlegen von RĂ€umen und die Verwaltung von Aufzeichnungen. FĂŒr uns ist es allerdings nicht das Ziel, Greenlight dauerhaft als vollstĂ€ndig getrennte Welt neben den anderen 4future-Diensten stehen zu lassen. Greenlight unterstĂŒtzt beispielsweise auch nicht mehrere Mandanten (also verschiedene Unternehmen, Organisationen oder Vereine die gleichzeitig die Plattform verwenden und verwalten)
Teile dieser FunktionalitÀt wollen wir direkt in unser Portal my.4future.id integrieren.
Damit folgt BigBlueButton derselben Entwicklung, die wir bei anderen Diensten bereits umgesetzt haben: Die zugrunde liegende Open-Source-Software soll fĂŒr den Benutzer zunehmend in den Hintergrund treten.
Ein Benutzer soll nicht darĂŒber nachdenken mĂŒssen, ob er gerade einen Matrix-, Nextcloud- oder BigBlueButton-Account benötigt.
Er besitzt eine 4future ID.
4future ID verbindet die Dienste
Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Architektur.
Mail, Nextcloud sowie Matrix/Element sind bei uns bereits in die 4future ID integriert. Die IdentitÀt des Benutzers liegt damit nicht in jeder Anwendung getrennt.
Unser Ziel ist, auch die Veranstaltungsplattform zunehmend in diese gemeinsame Umgebung einzubinden.
my.4future.id wird dabei zum Portal, ĂŒber das Benutzer ihre Dienste erreichen und verwalten können.
Das verÀndert auch die Perspektive auf unsere Open-Source-Strategie.
Wir bauen nicht einfach eine Sammlung von Open-Source-Anwendungen auf.
Wir bauen eine Plattform aus offenen Komponenten.
FĂŒr den Benutzer soll daraus eine zusammenhĂ€ngende Umgebung entstehen. Unterhalb dieser Ebene bleiben die einzelnen Komponenten jedoch möglichst unabhĂ€ngig.
Integration ohne Monolithen
Das klingt zunÀchst nach einem Widerspruch.
Auf der einen Seite wollen wir unterschiedliche spezialisierte Systeme einsetzen. Auf der anderen Seite sollen Benutzer möglichst wenig von deren technischen Grenzen bemerken.
Genau darin sehen wir aber einen wichtigen Architekturunterschied zu einer monolithischen Suite.
Wir integrieren die Systeme ĂŒber IdentitĂ€t, Portal und definierte Schnittstellen, ohne sie technisch untrennbar miteinander zu verschmelzen.
Heute verwenden wir Matrix fĂŒr Kommunikation, Nextcloud fĂŒr Dateien und BigBlueButton fĂŒr Veranstaltungen.
Sollte irgendwann eine dieser Komponenten unsere Anforderungen nicht mehr erfĂŒllen, wollen wir sie ersetzen können, ohne deshalb IdentitĂ€t, E-Mail, Dateien und alle anderen Dienste ebenfalls migrieren zu mĂŒssen.
Die stabile Ebene ist nicht das einzelne Produkt.
Die stabile Ebene ist die 4future ID und die Beziehung zu unseren Benutzern.
Warum wir nicht einfach ein Produkt fĂŒr alles verwenden
NatĂŒrlich könnte man versuchen, möglichst viele Anforderungen mit einer einzigen groĂen Plattform abzudecken.
Das erscheint zunÀchst komfortabel. IdentitÀt, Chat, Meetings, Dateien, Kalender und weitere Dienste kommen aus einer Hand.
Damit entsteht allerdings auch eine enorme AbhÀngigkeit von genau dieser Hand.
Unser Ansatz ist deshalb ein anderer.
Wir verwenden spezialisierte offene Komponenten:
Matrix/Element fĂŒr Kommunikation.
Nextcloud fĂŒr Dateien und Zusammenarbeit an Inhalten.
BigBlueButton fĂŒr Veranstaltungen.
4future ID verbindet diese Komponenten zu einer gemeinsamen Plattform.
FĂŒr Benutzer soll die technische Trennung zunehmend irrelevant werden.
FĂŒr uns als Betreiber bleibt sie dagegen wichtig.
Open Source ist notwendig â aber nicht ausreichend
Dass eine Software Open Source ist, bedeutet noch nicht automatisch, dass sie fĂŒr unsere Architektur geeignet ist.
Wir betrachten auch ihre Betriebsarchitektur.
Wie lÀsst sich ein Dienst redundant betreiben? Wie lÀsst er sich skalieren? Welche zusÀtzlichen Komponenten benötigt er? Wie funktioniert Authentifizierung? Wo liegen die Daten? Wie funktionieren Backup und Monitoring? Wie aufwendig sind Updates?
Und schlieĂlich die vielleicht wichtigste Frage:
Welches zusĂ€tzliche Problem löst diese Software fĂŒr unsere Benutzer?
Wenn die Antwort darauf nicht ĂŒberzeugend ist, brauchen wir keinen weiteren Dienst.
Digitale SouverÀnitÀt bedeutet nicht, alles selbst zu entwickeln
Wir entwickeln Matrix, Element, Nextcloud oder BigBlueButton nicht selbst.
Das mĂŒssen wir auch nicht.
Digitale SouverĂ€nitĂ€t bedeutet fĂŒr uns nicht, jedes StĂŒck Software selbst zu schreiben.
Sie bedeutet, Kontrolle ĂŒber die wesentlichen Entscheidungen zu behalten.
Wir können entscheiden, wo unsere Daten gespeichert werden. Wir können unsere IdentitÀten selbst verwalten. Wir können Systeme miteinander verbinden. Wir können unsere Infrastruktur selbst betreiben.
Und wir können eine Komponente ersetzen, wenn sie unsere Anforderungen irgendwann nicht mehr erfĂŒllt.
Dabei ist ein Detail entscheidend:
Unsere Benutzer gehören nicht einer Software.
Eine 4future ID ist kein Nextcloud-Konto, kein Matrix-Konto und kein BigBlueButton-Konto. Sie ist die IdentitÀt des Menschen innerhalb unserer Plattform.
Die Anwendungen sind Dienste, die diese IdentitÀt verwenden.
Das heiĂt ein Nutzer meldet sich mit den gleichen Daten an die Plattform an. Alle Komponenten kennen ihn.
Die Architektur folgt dem Menschen
Am Ende lÀsst sich unsere Entscheidung deshalb erstaunlich einfach zusammenfassen.
Wenn Menschen miteinander kommunizieren, verwenden wir 4future Chat (Matrix und Element basierend).
Wenn Menschen gemeinsam mit Dateien und Inhalten arbeiten, verwenden wir 4future Drive (Nextcloud basierend) und Die Dokumenten Editoren von 4future Docs (OnlyOffice basierend).
Wenn Menschen an einer Veranstaltung teilnehmen, verwenden wir 4future Live (BigBlueButton basierend). Die Integration davon ist aktuell noch in Arbeit.
Und fĂŒr all diese Dinge verwenden sie dieselbe 4future ID.
Die Technik folgt damit nicht der Frage, welches Produkt möglichst viele Features auf einer Vergleichsliste abhaken kann.
Sie folgt der Frage:
Was wollen die Menschen gerade miteinander tun?
Die einzelnen Open-Source-Produkte sind Werkzeuge.
Die Plattform, die daraus entsteht, ist 4future One fĂŒr Unternehmen und 4future Me fĂŒr private Einzelpersonen und Familien.
Unsere 4future Community Vollmitglieder (um ⏠10,–/ Monat) haben ein 4future Me als ihr persönliches digitales Zuhause im Mitgliedsbeitrag enthalten. An der Familienvariante arbeiten wir gerade. Wer upgraden möchte, bitte um kurze E-Mail.
4future One (Email/Kalender/Kontakte/Aufgabe/Dokumente/Office/Chat) ist mittlerweile auf der Website bestellbar.
4future.digital â backbone of your digital future.
Wir beschĂ€ftigen uns seit 1986 mit der Frage, wie Technologie Menschen unterstĂŒtzen kann. Heute bauen und betreiben wir mit 4future.digital eine offene, souverĂ€ne digitale Infrastruktur in Ăsterreich â von E-Mail und Cloud ĂŒber Kommunikation bis zu gemeinsamen Arbeits- und Veranstaltungsplattformen.
Dabei geht es uns nicht darum, die nĂ€chste groĂe Plattform zu bauen oder Menschen möglichst eng an einen Anbieter zu binden. Im Gegenteil: Wir setzen auf Open Source, offene Standards, eigene Infrastruktur und die Freiheit, Technologien auch wieder austauschen zu können.
Denn digitale SouverĂ€nitĂ€t bedeutet fĂŒr uns vor allem eines: Menschen und Organisationen sollen die Kontrolle ĂŒber ihre digitale Zukunft behalten.
Daran arbeiten wir nicht erst seit gestern.
Since 1986.
Als CTO von 4future.digital sorge ich fĂŒr eine leistungsfĂ€hige und zukunftssichere digitale Infrastruktur. 4future.digital stellt innovative Hosting-, Cloud- und IT-Services bereit â fĂŒr die 4future-Community ebenso wie fĂŒr Unternehmen und Organisationen, die digitale Technologien effizient nutzen wollen.